Festlegung des Schulstandorts


Wie kann es weitergehen?

Langsam beruhigen sich die Wogen wieder nach der äußerst emotionalen Sitzung in Sachen Schulstandort. Vielleicht kann die kommunalpolitische "Auszeit" über Weihnachten dazu beitragen, einen gangbaren Weg heraus aus dem Dilemma zu finden

Niemand kann behaupten, dass die aktuelle Situation befriedigend ist. Seit gut fünf Jahren schwelt nun die Diskussion darüber, wo künftig die Kinder aus dem Stadtgebiet ihren Einstieg in ihr Schulleben machen sollen, in Hettingen oder in Inneringen. Vielleicht täte es der Diskussion gut, wenn man einmal in Ruhe darüber nachdenkt, worum es überhaupt geht und weshalb die Fronten so sind, wie sie sich darstellen.

Betrachtet man die Entscheidung aus den Augen derer, um die es überhaupt geht, muss man eingestehen: Den Kindern ist es herzlich egal, wo die Schule sein wird. Es gibt sogar die kuriose Situation, dass sich manche Inneringer Kinder für Hettingen aussprechen, weil sie dann Bus fahren dürfen, und manche Hettinger Kinder für Inneringen, weil man dort auf dem Schulhof besser kicken kann und die besseren Schneeberge hat.

Warum tut sich die Bevölkerung dann so schwer mit der Entscheidung? Eine Ursache kann sein, dass schon seit fünf Jahren nur in "Gewinner-" und "Verlierer-"Kategorien gedacht wird. Dass die schulische Arbeit und letztlich auch das Gemeindeleben von einer Zusammenlegung profitieren können, tritt dabei völlig in den Hintergrund.

Ältere Mitbürger fühlen sich dabei vielleicht an die Zeiten der Gemeindereform Anfang der 1970er Jahre erinnert: Damals ging es darum, wer seine "Selbständigkeit" behalten darf und wer nicht. Es ist kein Geheimnis, die landespanerischen Überlegungen sahen für das Laucherttal eine ganz andere Lösung vor, als sie letztlich realisiert wurde. Hettingen war als Stadtteil von Gammertingen vorgesehen, Inneringen wäre als weiterer Stadtteil zu Veringenstadt gekommen. Die damals Verantwortlichen - Bürgermeister Johann Knaus aus Hettingen und Bürgermeister Johann Georg Brandstetter - hatten damals schon einen bemerkenswerten Weitblick und Realitätssinn und schafften es, aus den beiden "Anhängseln" ein eigenständiges Ganzes zu schaffen. Die Bevölkerung trug dies damals mit, die "Ehe" wurde in einem Bürgerentscheid mit großer Mehrheit angenommen.

Vor diesem Hintergrund wird vielleicht auch deutlich, weshalb es am Dienstag auf die Feststellung eines Gemeinderats "Seht doch endlich ein, dass ihr zur Stadt Hettingen gehört" eine gewisse allergische Reaktion hervorgerufen hat. Inneringen ist seinerzeit nicht zu Hettingen "dazugekommen", sondern beide Gemeinden bildeten gemeinsam etwas neues - unbestritten unter dem Namen "Stadt Hettingen". Dies findet seinen Ausdruck auch darin, dass es eben keinen "Ortschaftsrat Inneringen" gibt, sondern beide Stadtteile sind gleichberechtigt im Gemeinderat vertreten - wenn nicht gerade das zugegebenermaßen schwierige Kommunalwahlrecht dazu führt, dass ein Wahlbezirk ein Überhangmandat hat.

Warum hat das Zusammengehen der beiden Stadtteile damals denn geklappt, während es heute diese Probleme bei der Frage des Schulstandorts gibt?

Zum einen war die Problematik der Gemeindezusammenlegungen damals landauf, landab gegeben. Aus 3.379 selbständigen Gemeinden wurden letztlich 1.110 - inzwischen ist diese Zahl durch freiwillige Eingemeindungen sogar auf 1.101 abgesunken. Es war also nichts außergewöhnliches, was da vor sich ging, die Nachbargemeinden standen vor den selben Herausforderungen.

Zum anderen agierte die Landesregierung damals nicht ungeschickt: Bis 1972 regierte in Stuttgart eine große Koalition aus CDU und SPD, Innenminister Walter Krause (SPD) schaffte es damals, die Weichen durch gezielte Anreize so zu stellen, dass die Gemeindereform insgesamt betrachtet erfolgreich und ohne größere Verwerfungen gelang. Gemeinden, die sich rechtzeitig auf freiwilliger Basis zusammenschlossen, erhielten damals nämlich großzügige Sonderzuschüsse, mit denen wichtige Infrastrukturprojekte realisiert werden konnten, die dann als "Früchte" des Zusammengehens vorgewiesen werden konnten. Damals wurden im Übrigen nicht wenige Grundschulstandorte stillschweigend mitvereinigt, als Beispiel sei hier der Burladinger Stadtteil Melchingen genannt, der von der Einwohnerzahl her größer ist als Hettingen oder Inneringen und trotzdem seit Mitte der 1970er Jahre keine eigene Schule mehr hat. 

Zweiter Pfeiler des gütlichen Zusammengehens waren die sogenannten "Eingemeindungsvereinbarungen". Nach monatelangen, in großer Ruhe geführten Verhandlungen wurde vorab festgelegt, welche Einrichtungen die jeweiligen Gemeindeteile erhalten bzw. behalten sollen. Mit diesen Vereinbarungen wurde die Gewissheit geschaffen, dass ein Gemeindeteil eben nicht "ausgehungert" werden konnte. In aller Regel wurden die gegebenen Zusagen auch eingehalten, in Inneringen ist beispielsweise die Leichenhalle ein "Kind" der Gemeindereform auch der Verwaltungssitz Hettingen war Bestandteil dieser Vereinbarung. Außerdem führten die Verhandlungen dazu, dass die handelnden Personen - Bürgermeister und Gemeinderäte - miteinander in Kontakt kamen und sich gleichwohl aneinander gewöhnten.

Und letztlich war auch die "normative Kraft des Faktischen" ein Grund dafür, dass die Gemeindereform gelang. Als sich die Wogen der Fusionsjahre geglättet hatten und alles in einem gewohnten Trott verlief, verschwanden auch die letzten Zweifler.

Kann man für die jetzt anstehende Frage, an welchem Standort künftig die Grundschule sein soll, aus der damaligen Zeit etwas lernen?

Diese Frage muss jeder für sich beantworten, Anregungen liefert die Geschichte auf jeden Fall. So könnte in aller Ruhe darüber gesprochen werden, welche Infrastruktureinrichtungen aktuell in der Stadt vorhanden sind und wie bzw. wo diese in Zukunft entwickelt werden sollen. Wenn es nicht nur um eine Einrichtung (Schule) geht, sondern um mehrere, werden vielleicht auch Wege sichtbar, wie durch eine (einigermaßen) gerechte Aufteilung beide Stadtteile ausreichende Entwicklungschancen behalten oder sogar bekommen. Und wenn es dann auch noch gelingen würde, die Anzahl der in gemeindlicher Trägerschaft stehenden Gebäude zu reduzieren wäre langfristig sogar etwas gespart.

Es würde dann eben nicht einen "Gewinner" und einen "Verlierer" geben, sondern einen gemeinsamen Weg, dem vielleicht dann auch im Gemeinderat viele oder gar alle zustimmen können.


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