Kunsthandwerk

Besuch in der Puppenwerkstatt

Von unserer Mitarbeiterin Sabine Rösch

Zu einer Führung der besonderen Art durften die Landfrauen um ihre Vorsitzende Toni Teufel bei der Inneringer Puppenkünstlerin Alberta Flöß gastieren. Sie erlaubte den Frauen Einblicke  in ihre Werkstatt, wo jede handgefertigte Puppe zu einem Unikat hergestellt wird.

1991 hat Alberta Flöß einen Puppen-Fertigungskurs besucht und ab diesem Moment ihre Leidenschaft für die Herstellung von Puppen entdeckt. Schnell war der Künstlerin klar, dass ihre Ansprüche weit über die vorgefertigte „Schablonen-Puppe von der  Stange“ gehen.  So hat Alberta Flöß bald angefangen, ihre ganz persönlichen Modelle zu kreieren.  Der Kopf und das Gesicht einer jeden Puppe wird individuell bearbeitet, so entsteht der Schmollmund, die hohen Wangenknochen oder auch der lachende Mund, wo mundgeblasene Zähne und auch eine Zunge hervor blitzen.

Mehrere Male gebrannt wird der Kopf, um den Teint mit Sommersprossen hinzubekommen. Bei soviel akribischer Detailarbeit versteht sich von selbst, dass Alberta Flöß nur die besten Materialien, wie Echthaarwimpern oder  handgeblasene Kristallglasaugen verwendet. Mit Zahnarztgips werden Augen und Zähne fixiert was inzwischen Routinearbeit ist, zu Beginn jedoch Flöß´ Geduld aufs Ärgste strapazierte. Auch den Bewegungsapparat jeder Puppe wurde ständig verbessert, so sind die neueren Modelle fähig dank eines ausgetüftelten Metallgestells, Arme und Beine separat zu bewegen.  

Nachdem der „Rohling“ entstanden ist, darf jedes Modell zunächst nackt auf einem angefertigten Sofa im Puppenzimmer oder im Flur Platz nehmen. Alberta Flöß näht alle Kleider selber aus alten Stoffen und sonstigem Zubehör, die sie von ihrer Schwiegermutter  und sonstigen „verstaubten Schränken“ geschenkt bekommen hat. Um den alten Look herzustellen wird ein Teil auch schon mal im schwarzen Tee getunkt, die echten Lederschuhe werden bearbeitet, leicht abgeschabt, um getragen auszusehen. Die Puppen sind absolut authentisch, man kann den Mädels durchaus unter den Rock spickeln und findet sicher das zeitgemäße „Darunter“, ebenso bei den Jungs.

Gekrönt wurde die Arbeit durch die Goldmedaille bei der Wahl zur Eurodoll im Jahr 1998 in Bregenz. Mehrere hundert Puppen-Mamis aus elf Ländern präsentierten ihre Exponate, Alberta Flöß räumte mit ihrer „Marthe“  den ersten Platz in der Kategorie „Reproduktion vom Bild“ ab. Momentan werden in Albertas Puppenzimmer Weihnachtsplätzchen gebacken, Teig gerührt und adventliche Dinge angefertigt. 

Wer die liebevoll eingerichtete Räumlichkeiten besucht hat, kann verstehen, dass sich die Künstlerin von keinem ihrer „Kinder“ trennen kann. Ihr jüngster Sohn Dominik bescheinigte seiner Mutter während seiner pubertären Phase eine regelrechte „Puppen-Phobie“, erzählt Alberta Flöß schmunzelnd. Heute jedoch, nach seinen Flegeljahren, liebt er die Puppen fast genau so sehr wie es seine Mutter tut.

Zurück zum Überblick